Spitzen-Event mit Herz: „Besser geht’s nicht“

Fünf Methoden, fünf Reitweisen, fünf Ziele & eine gemeinsame Gesinnung

 

 

Uta Gräf, Peter Kreinberg, Richard Hinrichs, Andreas Kreuzer und Stefan Schneider

Bereits der Auftakt der Event-Serie „Einfach richtig reiten“ Anfang des Jahres in Verden mit fünf hochkarätigen Ausbildern der Pferdeszene war nicht zu toppen; falsch gedacht. Auch die zweite Auflage des Spezial-Events der Veranstalterinnen Nicole Künzel und Kerstin Schmidt im hessischen Alsfeld sprengte den Rahmen üblicher Pferde-Veranstaltungen.

Die fünf Ausnahme-Ausbilder Uta Gräf, Stefan Schneider, Richard Hinrichs, Peter Kreinberg und Andreas Kreuzer vertraten nicht nur ihre vorgestellte Reitweise, sondern vor allem ihre ganz eigenen Inhalte: intelligente Kommunikation mit dem individuellen Pferd stand bei allen im Vordergrund. Großzügige Zeitfenster sorgten für ausführliche Erklärungen der Experten und gaben dem Publikum wundervolle Momente und Bilder mit auf den Weg. Nicht „fertige“ Show-Pferde standen im Mittelpunkt, sondern der Umgang mit dem Pferd während der verschiedenen Ausbildungsphasen.

„Es war toll zu sehen, wie die Experten im täglichen Training mit den Pferden arbeiten“, erzählt Monika Heinsen aus Siegburg. „Hier konnte man deutlich die Wege im Training oder die Kommunikation beim Reiten erkennen, weniger das fertige Ergebnis.“ Und genau das machte den Event in der Halle des Hannoveraner Verbandes in Alsfeld aus, das von wehorses-Betreiber Christian Kröber moderiert wurde.


Springen mit Rhythmik und im Fluss

Erfolgsspringreiter Andreas Kreuzer war erstmalig bei „Einfach richtig reiten“ dabei. Der Ausbilder aus Damme zeigte auf seinem Erfolgspferd „Silvertops Chakko“, dass Springtraining durchdacht, gefühlvoll und systematisch fürs Pferd aufgebaut werden kann. Die mentale Bereitschaft des Pferdes muss im Training stets berücksichtigt werden. Es war aber nicht nur der Trainingsaufbau, den die Zuschauer positiv aufnahmen, sondern auch die Einstellung und offene Herangehensweise des Springreiters, die das Publikum zum Lachen aber auch zum Nachdenken über den Umgang mit dem Pferd im Training brachten. Wer genau hinsah, konnte die Qualität seines Reitens erkennen und bewundern: Andreas Kreuzers reiterlicher Sitz in der Bewegung war stets im „Fluss“ mit dem Pferd, und sorgte so dafür, dass sich das Pferd an der Mitte des Reiters orientierte. „Auch wenn Springreiten nicht meine Reitweise ist“, resümiert eine Zuschauerin, „ist es unverkennbar, dass hier jemand mit großem Können und Herz Pferde ausbildet.“


Dressur auf hohem Niveau – leicht, locker und mit Verstand

Sie ist nicht umsonst eine der erfolgreichsten und beliebtesten Dressureiterinnen in Deutschland. Uta Gräf hautnah mit ihren Pferden im Training vor Publikum zu erleben war für viele Besucher ein ganz besonderes Highlight. Nicht nur, um Pferde in dieser Qualität und auf diesem Ausbildungsstand live zu bewundern, sondern vor allem, um die Einstellung der Ausnahme-Reiterin im Training zu erleben.

So brachte sie verschiedene Turnierpferde auf S-Niveau mit und nutzte den Seminar-Rahmen dazu, sie hier vor Publikum zu schulen.

Der „rote Faden“, der sich durch die Vorführungen aller Experten zog, wurde auch bei Uta Gräf deutlich: nichts erzwingen, sondern das Pferd durch fein abgestimmte Sitz-, Schenkel- und Zügelsignale intelligent motivieren. Und Hilfen diese platzierte die Ausbilderin, für den Betrachter kaum sichtbar, so wohl dosiert, dass die Pferde weiter lernen und ihren Körper aus sich heraus immer wieder an die Reiterin anpassen konnten.

„Positive Gedanken und effektive Hilfen beim Reiten“ hätte denn auch der Vorführungs-Titel von Uta Gräf lauten können, die ihre meist lobenden Gedanken im Sattel laut aussprach. Ein Vorbild für alle Reiter, ganz gleich ob in Sport oder Freizeit.

Gebisslose Zäumungen & Vorbereitung auf das Verladen

Für fundierte Aufklärung beim Thema Ausrüstung und Ausbildung am Boden und im Sattel ist Peter Kreinberg seit 40 Jahren bekannt. Und das stellte er auch in Alsfeld wieder unter Beweis: er demonstrierte dem interessierten Publikum die unterschiedlichsten gebisslosen Zäumungen. Bei all seinen Erklärungen machte er deutlich, dass vor allem beim Reiten in gebissloser Zäumung der Sitz des Reiters in Balance und die damit vom Sitz unabhängige Zügeleinwirkung essenziell sind.

„Nicht die Zäumung allein entscheidet, wie sich das Pferd unter dem Sattel bewegt; rund achtzig Prozent sollten aus Sitz und Schenkel kommen, weniger als zwanzig aus den Händen“, erläutert der Begrün¬der der The Gentle Touch®- (TGT®)-Methode.

„Das Pferd sozusagen an den Sitz zu reiten, seine Bewegungen über das eigene Zentrum im Körper anzusprechen, das sollte das Ziel jedes Reiters sein. Vor allem dann, wenn er sein Pferd biomechanisch korrekt gebisslos reiten möchte.“ Peter Kreinberg unterscheidet hier zwischen Pferden, die gelernt haben, mit Nasenzäumung schwer und tief mit der Vorhand am langen Zügel zu laufen, und solchen, die über feine Berührungsreize an der Nase mit einer beugenden Hinterhand reagieren - leicht und beweglich aus der Körpermitte heraus.

Das Verladen ergibt sich für Peter Kreinberg aus einer sinngebenden Bodenschule – wie der TGT®-Methode – heraus. Diese beinhaltet Führtraining, Leitseilarbeit, Arbeit an der Hand und die Arbeit mit Hindernissen.

Vorgestellt: Working Equitation & Erfolgshengst "Le Noir"

Die Working-Equitation und das Ausbilden von Pferden am Boden ist die Leidenschaft von Stefan Schneider. Mit seinem Lusitano-Hengst zeigte er den Ablauf eines Working-Equitation-Parcours und welche Ausbildungsschritte hierfür nötig sind. Die auf das Objekt bezogene Ausbildung des Pferdes beginnt in ruhigen Schritten und mündet erst mit dem fortgeschrittenen Pferd im „Speed-Trail“, also im Reiten des Parcours auf Zeit. Galopp-Arbeit, fliegende Wechsel, aber auch punktgenaues Stehen, seitwärts und Rückwärts gehören mit in den Übungsablauf. Beide Ausbildungsstände stellte der Tierarzt in Alsfeld vor. Als Mann und Partner von Uta Gräf präsentierte er zum Abschluss ihren Erfolgshengst „Le Noir“ in der Doppellonge – auch in der Piaffe.

Königliches Reiten in der Alsfelder Halle

Die Barock-Reitweise, heute auch als Anschlussverband der FN, wurde von Richard Hinrichs in Deutschland etabliert und aus vollem Herzen gelebt. Die Musik, die Ausrüstung, die Pferde und deren Ausdruck sowie die gezeigten Lektionen rundeten die Vorstellungen des Ausbilders in seiner Thematik ab. „Das Pferd geschickt machen“ an der Hand und unter dem Sattel ist eines seiner Anliegen. Dies wurde in seinen an Lektionen orientierten Übungsabläufen auf zwei oder mehreren Hufschlägen deutlich. Selten zu sehen und auch dies sicher ein Highlight für viele Zuschauer waren seine Piaffen mit Rückwärtstritten. Barockes Reiten in historischer Tradition wird bei Richard Hinrichs großgeschrieben, der auch Schüler vor Publikum unterrichtete und Pferde unterm Sattel sowie an der Hand vorstellte.

Tränen in den Augen hatten – wie auch schon in Verden – einige Zuschauer, als es zu der Abschluss¬runde aller Experten ging. Alle kamen sie gemeinsam in die Halle geritten, „Le Noir“ noch mal am langen Zügel vorgestellt, und gaben ein Bild von unterschiedlichsten Profi-Reitern mit gleicher Gesinnung.

„Es war wirklich wunderbar! Ganz besonders toll war es, dass alle Ausbilder über beide Tage für alle Zuschauer für Fragen zur Verfügung standen“, freute sich Monika Halsbach aus Bad Orb. „Auch untereinander wurde ein so netter Umgang von den Experten gepflegt; während der Vorführun¬gen wurden viele Witze oder respektvolle Bemerkungen gemacht“, beschreibt sie den Grund für das häufige Lachen des Publikums. An Humor und netten Gesten untereinander fehlte es den verschiedenen Ausbildern, die sich alle sehr schätzen, während des Events jedenfalls nicht.

So ließ diese Veranstaltung die Besucher mit viel Fachinformation und offenem Herzen nach Hause gehen. Der Wert dieses Events besteht sicher in der Authentizität der Ausbilder, die hier ihre Lebenserfahrung mit Pferden fundiert und hautnah präsentierten. Allen voran gebührt das Lob aber den Veranstalterinnen Nicole Künzel und Kerstin Schmidt, die den Mut, das Herz und die Energie aufbrachten, diese Events zu ermöglichen. Man kann sich also auf eine Folgeveranstaltung im Jahr 2019 freuen.
Text © RK ∙ TGT GmbH

DIE EVENT-SERIE „Einfach richtig reiten“ WIRD 2019 FORTGESETZT!
Die Termine für 2019 folgen wie gewohnt hier online.

 

Als Helfer und Zuschauer mit dabei: TGT® Trainerinnen Michaela
Hackenberg (o.1.v.li.), Nadine Dölker (2.v.li), Christine
Herbst (re.) sowie Saskia Färber, Andrea Kunz-Weller, Kristine
Lehmann und ..............